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Natürlich. Gemeinsam.

Absolventen des Berufsbildungsbereichs feiern erste Schritte auf dem Weg ins Berufsleben

(v.l.n.r.) Daniel Dentler (BBB), Timo, Werkstattleiter Peter Wenzler (Soziales), Jessica, Ralf März (Gruppenleiter WfbM), Miriam, Harald Wilges (Gruppenleiter WfbM), Gisela Rudhard (BBB), Frank Borkert (Werkstattleiter Produktion)

Vier betreute Menschen mit Beeinträchtigungen sind in den Lindenberger Werkstätten jüngst mit dem Zertifikat über die Teilnahme am Berufsbildungsbereich (BBB) ausgezeichnet worden. 

Timo, Miriam und Jessica haben somit „eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme auf der Grundlage des Fachkonzeptes für das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) der Bundesagentur für Arbeit erfolgreich abgeschlossen“, wie es auf der offiziellen Urkunde heißt.

Doch was verbirgt sich hinter diesem Wort-Ungetüm?

„Während der zwei Jahre und drei Monate hatten die BBB-Teilnehmer die Möglichkeit, interne wie auch externe Praktika zu absolvieren und an verschiedenen Bildungsangeboten und begleitenden Angeboten des Berufsbildungsbereichs teilzunehmen“, erklärt Gisela Rudhard aus dem BBB der Lindenberger Werkstätten. 

Innerhalb dieses Zeitraums könnten die Teilnehmenden ihre Arbeitsfähigkeiten, ihre sozialen Kompetenzen und auch ihre Fähigkeiten im lebenspraktischen Bereich verbessern. 

Das Ziel sei, so Rudhard, „die Gesamtpersönlichkeit positiv weiterzuentwickeln und einen Arbeitsplatz zu finden, der für den Menschen leistbar ist, an dem er sich wohlfühlt und der ihm Spaß macht“.

Peter Wenzler, Werkstattleiter Soziales der Lindenberger Werkstätten betont, dass „die Zeit im BBB sicherlich sehr spannend und abwechslungsreich aber auch intensiv und mitunter anstrengend für die Teilnehmenden“ sei. 

Die Betreuten hätten in den rund 27 Monaten aber auch „immer wieder die Chance, Selbstwirksamkeit zu erfahren und Stück für Stück in Richtung Selbstbestimmung zu entwickeln“, was einen sehr wertvollen Aspekt ausmache. 

Die gemachten Erfahrungen können eine wertvolle Etappe auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt sein. In einem ersten beruflichen Schritt freuen sich die drei Absolventen ebenso wie der Berufsbildungsbereich und die Werkstattleitung über die gemeinsame Zusammenarbeit in den Lindenberger Werkstätten.

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) stehen seit Jahren in einem Spannungsfeld. 

Kritiker bemängeln, dass sie den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt nicht ausreichend fördern und Menschen mit Behinderungen dadurch zu selten in reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln. 

Zudem wird diskutiert, ob das Entgeltsystem und die strukturelle Trennung vom allgemeinen Arbeitsmarkt noch zeitgemäß sind. Diese Kritik verweist auf ein wichtiges Ziel: mehr Inklusion, mehr Durchlässigkeit und echte Wahlmöglichkeiten für die Betroffenen.

Gleichzeitig haben WfbM eine enorme soziale Bedeutung. Sie sind für viele Menschen ein geschützter Raum, in dem individuelle Fähigkeiten gefördert werden und Arbeit unter angepassten Bedingungen möglich ist. Gerade für Personen mit hohem Unterstützungsbedarf oder geringer Belastbarkeit bietet der leistungs- und effizienzorientierte erste Arbeitsmarkt oft keinen realistischen Platz. 

Werkstätten schaffen hier verlässliche Strukturen, soziale Einbindung und sinnstiftende Beschäftigung – Aspekte, die für Selbstwert, Teilhabe und Lebensqualität von großer Bedeutung sind.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen setzt sich für Weiterentwicklungen ein. Sie spricht sich seit Längerem für ein gerechteres und transparenteres Entgeltsystem aus und signalisiert grundsätzlich Offenheit für Reformen, die die Teilhabechancen verbessern. 

Gleichzeitig betont sie, dass grundlegende Veränderungen – etwa bei der Finanzierung oder bei gesetzlichen Rahmenbedingungen – nur durch politische Entscheidungen möglich sind. 

Die notwendigen Weichen dafür müsse die Politik stellen:

  • Offenheit für Reformen und gerechtere Entgelte: Die BAG WfbM fordert seit Längerem eine Reform des Entgeltsystems, um die Einkommenssituation der Werkstattbeschäftigten zu verbessern. Ihr Ziel ist ein „transparentes, nachhaltiges und zukunftsfähiges Entgeltsystem“.
  • Verbesserung der Teilhabechancen: Die BAG WfbM betont, dass Reformen notwendig sind, um die Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern und die Einkommenssituation zu verbessern, beispielsweise durch Maßnahmen wie die Erhöhung des Grundbetrags.
  • Notwendigkeit politischer Entscheidungen: Die BAG WfbM weist darauf hin, dass grundlegende Änderungen bei der Finanzierung und den gesetzlichen Rahmenbedingungen (z.B. im SGB IX) nicht von den Werkstätten allein, sondern nur durch den Gesetzgeber umgesetzt werden können.
  • Appell an die Politik: Der Vorstandsvorsitzende der BAG WfbM hat die Bundesregierung mehrfach aufgefordert, in der laufenden Legislaturperiode gesetzliche Änderungen vorzunehmen und die Verpflichtungen aus dem Koalitionsvertrag zur Reform des Entgeltsystems einzuhalten. 

EINFACHE SPRACHE:

Die drei Absolventen heißen Timo, Miriam und Jessica.
Sie haben den Berufs-Bildungs-Bereich erfolgreich abgeschlossen.
Die Abkürzung dafür ist: BBB.

Die Berufs-Bildung dauert 2 Jahre und 3 Monate.
In dieser Zeit machen die Teilnehmenden Praktika.
Manche Praktika sind in der Werkstatt.
Manche Praktika sind in anderen Betrieben.

Die Teilnehmenden lernen neue Arbeiten.
Sie üben wichtige Dinge für den Alltag.
Sie stärken ihre sozialen Fähigkeiten.

Das Ziel ist: Die Menschen sollen selbstständiger werden.
Sie sollen eine Arbeit finden, die zu ihnen passt und ihnen Freude macht.
Die Zeit im BBB ist spannend, aber manchmal auch anstrengend.


Michael Wollny
Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit & Social Media
michael.wollny@lh-lindau.de