“Hallo Lebenshilfe Lindau, mein Name ist Bernhard Möschel und ich arbeite in der Waldwelt Skywalk Allgäu." So beginnt eine E-Mail, die uns im Oktober des vergangenen Jahres erreicht.
Der Absender möchte „im Skywalk Allgäu einen 6-Stundenlauf absolvieren – für einen guten Zweck“, so heißt es weiter. „Im Rahmen dieses Laufs sammle ich Spenden pro gelaufene Runde. Die gesamten Spendengelder möchte ich gerne an die Lebenshilfe weitergeben.“
HIER: Alle Infos zum 5. Skywalk-Lauf am 25. April 2026
Eine großartige Aktion mit einem dramatischen Hintergrund, wie Bernhard Möschel in der Mail schildert: „Ich selbst habe nach einem Verkehrsunfall eine Behinderung. Ich hatte jedoch sehr viel Glück und möchte nun etwas davon zurückgeben, um Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen.“
Anfang des Jahres klappte es dann mit einem Treffen und gegenseitigem Kennenlernen. Michael Wollny aus der Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe Lindau traf sich mit Bernhard Möschel in luftiger Höhe auf dem Skywalk. Er erfuhr eine Geschichte zwischen Leben und Tod, Glück und Unglück, zwischen Hoffnung und Verzweiflung und großer Menschlichkeit.
Es ist die bewegende Lebensgeschichte eines Menschen, die uns daran erinnert, dass eine Behinderung durch einen Schicksalsschlag jeden treffen kann.
Bernhard möchte mit seiner Willenskraft und Lebensfreude anderen Menschen Mut machen – und betonen, wie wichtig die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung ist und wie unverhandelbar das gesellschaftliche Bekenntnis zu Barrierefreiheit und Inklusion.
Das ist Bernhards Geschichte:
Es ist der 11. Februar 2012. Ein Samstagabend. Es hat geschneit, die Fahrbahn der Alpenstraße bei Lindenberg ist tückisch.
Bernhard Möschel ist mit seinem Auto unterwegs, will sich in Lindenberg mit Freunden treffen. Daran kann er sich noch vage erinnern. An das Drama, das sich auf Höhe von Manzen an diesem verhängnisvollen Abend abspielen wird, hat Möschel bis heute keine Erinnerungen mehr. Nur Fotos dokumentieren den Albtraum.
Der damals 24-Jährige, so wird er später aus dem Polizeibericht erfahren, verliert auf Schneeglatter Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen und stößt frontal mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen. Sein Auto fängt schnell Feuer.
Ersthelfer reagieren umgehend, schlagen mit einem Skistock die Scheibe ein und bergen den Schwerverletzten wenige Sekunden, bevor das Wageninnere durch eine Verpuffung ebefalls in Flammen aufgeht. Auch der Fahrer des anderen Pkw ist verletzt, kann sich aber selbst aus seinem Wagen befreien und ist ansprechbar.
Bernhard Möschel hingegen hat das Bewusstsein verloren und schwerste Verletzungen. Sein Leben hängt an einem seidenen Fade. Doch dann hat er unglaubliches Glück im Unglück - und das rettet ihm das Leben, wei er uns erzählt.
Bernhard, feierst Du den 11. Februar als Deinen zweiten Geburtstag?
Auf alle Fälle. Ich hatte eine Sekunde lang Pech. Aber danach hat wirklich alles ineinandergepasst. Fahrertür und Beifahrertür gingen nicht auf, aber ein Ersthelfer hatte einen Skistock im Auto und hat mit dem die Scheibe eingeschlagen und mich zusammen mit einem anderen Mann aus dem brennenden Auto gezogen.
Das war das erste Glück im Unglück. Das zweite waren die Berufe Deiner Ersthelfer.
Ja, die Frau eines Helfers war zufällig Notärztin. Die beiden wollten eigentlich zusammen ins Theater nach Lindenberg, das habe ich ihnen leider vermasselt. Ein anderer war der Chefarzt der Rotkreuzklinik, der wenige Minuten davor schon als Ersthelfer bei einem anderen Unfall in Oberreute geholfen hatte. Er wusste daher, dass der eigentliche Notarzt dort gebunden war. Er hat mich sogar später im Krankenwagen nach Ulm begleitet.
Ein weiter Weg, wenn man um sein Leben kämpft.
In Lindenberg hatte man gleich gemerkt, dass man für meine Verletzungen nicht geeignet war. Und in Ravensburg war der OP schon belegt. Der Hubschrauber konnte wegen des Wetters nicht fliegen, deshalb hat man mich dann eben nach Ulm gefahren. Dort wurde ich dann acht Stunden lang operiert.
Wie schwer warst Du verletzt?
Ich hatte einen angebrochenen Halswirbel, wäre er ganz gebrochen, könnte ich hier jetzt nicht stehen. Zudem hatte ich einen Riss in der Aorta. Wäre er nur ein bisschen größer gewesen, wäre ich am Unfallort sofort verblutet. Zusätzlich war mein Oberschenkel gebrochen, mein Knie war zerstört und alle Bänder drumherum gerissen. Und ich hatte ein Schädel-Hirn-Trauma.
Das sind sehr schwere Verletungen. Wie ging es dem Mann in dem anderen Auto?
Ich hatte mitbekommen, dass er sich Rippen gebrochen hatte. Er konnte selber noch aussteigen und ist auch rumgelaufen, weil er wahrscheinlich unter Schock war. Und er hat später probiert, Kontakt zu mir aufzunehmen, aber hat natürlich von der Polizei keine Infos bekommen. Meine Mama konnte dann irgendwie Kontakt herstellen. Er hatte erzählt, dass ihm ist nichts Schlimmes passiert sei und er sich einfach mal erkundigen wollte, wie es mir geht. Er war wohl selber auch Arzt.
Und wenn er das hier liest, dürfte er über die Lebenshilfe Kontakt zu Dir aufnehmen?
Da würde ich mich sehr freuen. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich würde mich trotzdem wirklich sehr freuen.
Deine Retter sind von dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet worden. Hattest Du danach mit ihnen Kontakt?
Ja, ich hatte mit allen drei Kontakt. Den Arzt habe ich direkt in Lindenberg im Krankenhaus besucht. Und die anderen zwei habe ich dann über die Jahre auch getroffen. Das waren echt schöne Erlebnisse.
Im Gegensatz zu den Erlebnissen, die sich im Krankenhaus entwickeln sollten. Wann hast Du realisiert, was passiert war?
Der Unfall war an einem Samstag. Am Donnerstag wurde ich dann wach und merkte, dass ich im Krankenhaus bin. Ich konnte aber nicht reden, weil ich einen Schlauch zur Beatmung im Mund hatte. Einem Pfleger konnte ich dann meine Fragen auf einen Zettel schreiben und er erzählte mir, was passiert war. Meine Familie war die Tage davor auch schon da, aber als sie am Donnerstagnachmittag kamen, habe ich sie erstmals wahrgenommen. Das war sehr schön.
Doch dann wurde es erneut hochdramatisch. Du musstest zum zweiten Mal um Dein Leben kämpfen.
Stimmt. Mir ging es eigentlich relativ schnell sehr gut. Drei Wochen nach dem Unfall wurde auch schon die Reha geplant. Ich kam von der Intensiv- auf die Normalstation. Und kurz darauf ging es steil bergab. Über Nacht bekam ich immer schlechter Luft, wurde dann zurück auf Intensiv verlegt. Da hat sich meine Atmung dann weiter verschlechtert. Man wollte mich wieder intubieren, was aber wegen des Halofixateurs schwierig war.
Ein sperriges Gestell zur Fixierung bei Halswirbelverletzungen.
Genau. Sie konnten meinen Kopf zunächst nicht strecken. Irgendwie haben sie es dann aber doch geschafft und ich wurde wieder künstlich beatmet. Ab Sonntagnacht habe ich dann für zwei Wochen keine Erinnerungen mehr. Ich weiß nur aus Erzählungen, dass meine Lunge kollabiert war und meine Nieren versagt haben. Niemand wusste warum. Aber die Situation war sogar noch schlimmer als der Unfall selbst.
Welche körperlichen Folgen hat der Unfall für Dich bis heute?
Mein Knie kann ich nicht mehr richtig strecken und nicht mehr richtig beugen. Das hindert mich natürlich an vielen Sachen. Ansonsten machen meine Nieren ein bisschen Probleme. Da muss ich jährlich zur Kontrolle. Und auf meinem rechten Auge sehe ich leider nicht mehr allzu viel, weil sich da ein Krankenhauskeim abgesetzt und den Sehnerv beschädigt hat.
Spürst Du auch psychisch noch Folgen?
Nein, überhaupt nicht. Und so blöd wie es klingt, denke ich auch gern an die Zeit in Ulm zurück. Bis Corona bin ich auch alle zwei Jahre nach Ulm gegangen, um die Leute auf der Intensivstation zu besuchen und ihnen zu zeigen, dass sich ihre Arbeit und wie sie sich um mich gekümmert haben, gelohnt hat. Auch ihnen habe ich mein Leben zu verdanken.
Wie kam es zu der Entscheidung, dass Du mit Deinen Einschränkungen einen Skywalk-Lauf machen willst?
Da muss ich ausholen. Denn das geht auf 2011 zurück, also vor dem Unfall. Da habe ich mit meinem Onkel beim Hochgrat-Lauf zugeschaut und mit ihm gewettet, dass ich an dem Lauf im kommenden Jahr teilnehmen werde und ihn unter 60 Minuten schaffe.
Das ist ambitioniert. Den aktuellen Profi-Läufer-Rekord bei den Männern hält der Neuseeländer Jonathan Wyatt mit 29:37 Minuten aus dem Jahr 2022.
Ich hatte schon angefangen zu trainieren, als der Unfall passierte. Im Krankenhaus in Ulm habe ich dann auf einen Zettel geschrieben, dass ich die Wette noch einlösen werde. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht wieder laufen. Bis jetzt hat das mit dem Hochgrat-Lauf noch nicht geklappt, aber ich trainiere weiter auf dieses Ziel hin. Und dabei kam mir die Idee mit anderen Wettkämpfen. Aber das größte Ziel bleibt die Hochgrat-Wette.
Und dafür hast Du bei der Waldwelt Skywalk Allgäu keine schlechten Trainingsmöglichkeiten.
Ja, ich bin hier für das Ticketing und den Shop verantwortlich. Ich habe hier einen wunderschönen Job, in den ich meine Interessen einbringen kann. Und seit zwei Wochen trainiere ich hier auch auf dem Pfad. Zuhause mache ich viel auf der Fahrradrolle und gehe spazieren. Im Januar war ich zudem rund 100 Kilometer beim Laufen und 90 Kilometer auf dem Rad unterwegs.
Wow, Du bist ebenso motiviert wie diszipliniert. Beim Skywalk-Lauf am 25. April geht die Strecke über 670 Meter, 110 Stufen nach oben und 120 Stufen nach unten. Rund 400 Höhenmeter bei zehn Runden. Was hast Du Dir als Ziel gesetzt?
Auf alle Fälle mehr Runden als 2022. Da hatte ich 46 geschafft, das will ich überbieten. 50 plus sind mein Ziel. 2022 konnte ich nur zwei Stunden joggen, den Rest musste ich wegen Knieschmerzen gehen.
Wie schützt Du Dich vor Übermotivation und Folgen für das Knie?
Ich habe mir extra eine Trainerin geholt zur Trainingssteuerung. Sie schreibt für mich Trainingspläne und kontrolliert, dass ich nicht zu viel mache. Denn wenn ich zu viel mache, schadet es mir am Ende nur.
Du gehst Dein Vorhaben also mit einem klaren Plan an. Und Du willst damit die Lebenshilfe Lindau unterstützen, was uns mega freut. Wie kam es dazu?
Wir haben im Skywalk auch Integrationsarbeiter und Leute mit Behinderungen. Die Lebenshilfe kommt uns mit ihren Betreuten ab und zu auch immer wieder mal besuchen. Da dachte ich einfach, dass es doch ein gutes Ziel wäre, das Geld dorthin zu spenden, wo es auch gut angenommen wird und etwas Gutes damit gemacht wird.
Das wird es definitiv, vielen, vielen Dank schon mal für Deine tolle Idee. Viele unserer Aktionen mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen werden erst durch Spendengelder ermöglicht. Auf unserer Homepage und unserem Instagram-Kanal berichten wir auch regelmäßig darüber. Wie aber kann man Dich nun als Sponsor unterstützen?
Die Idee ist, dass sich Sponsoren am besten direkt an Euch von der Lebenshilfe wenden und einen Betrag nennen, den sie für jede meiner Runden spenden möchten. Die Rundenzahlen werden auch technisch dokumentiert, sodass man am Ende genau sehen kann, wie viele Runden ich gelaufen bin. Die Summe der Runden wir dann mit dem Betrag multipliziert, den jemand spenden möchte – und das Ergebnis ist dann der Spendenbetrag des Sponsors für Euch. Bei 2 Euro pro Runde sind es also 100 Euro, wenn ich 50 Runden schaffe.
Eine wunderbare Idee. Wir werden beim Lauf sicherlich mit einem kleinen, aber lautstarken Bernhard-Fanclub an der Strecke sein.
Wer Bernhard Möschel also beim Spendenlauf unterstützen möchte, kann uns einfach eine E-Mail mit Betreff „Bernhard“ an
geschaeftsstelle@lh-lindau.de schicken oder senden Sie uns einfach die ausgefüllte Spendenzusage per Mail zu.
HIER können Sie die Spendenzusage herunterladen
Nach dem Spendenlauf übermitteln wir jedem Spender den errechneten Spendenbetrag per Mail mit der Bitte um Überweisung auf unser Spendenkonto. Nach Eingang der Spende auf unserem Spendenkonto bei der Volksbank Lindenberg stellen wir nach Wunsch eine Spendenbescheinigung aus und stellen sie per Post zu.
Wichtig ist: Egal ob ein kleiner Rundenbetrag durch Privatleute oder etwas größere durch Firmen – wir freuen uns riesig über jede Spende, die zweckgebunden direkt den von uns betreuten Menschen mit Behinderung zugutekommt.
Die Waldwelt Skywalk Allgäu „unterstützt den Spendenlauf von unserem geschätzten Kollegen Bernhard Möschel aus vollem Herzen“, bestätigt uns Waldwelt-Sprecherin Alisa Schneider. „Die Idee, sportliche Leistung mit sozialem Engagement zu verbinden und die Erlöse zu 100 Prozent der Lebenshilfe zukommen zu lassen, ist für uns ein starkes Zeichen von Solidarität und Verantwortung.“
Dass Bernhard sechs Stunden am Stück laufen wolle, „verdient höchsten Respekt – insbesondere vor dem Hintergrund seiner persönlichen Geschichte“. Damit unterstreicht Alisa Schneider die in der Tat ausdrucksstarke Botschaft der Aktion für andere Menschen in ähnlicher Situation: „Bernhard erleben wir als äußerst engagierten, verlässlichen und inspirierenden Kollegen, der mit Mut, Ausdauer und positiver Haltung vorangeht. Die Energie und der Optimismus von Bernhard sind wirklich beeindruckend. Sein Weg zurück in den Sport nach einem schweren Verkehrsunfall zeigt eindrucksvoll, was mit Willenskraft und Unterstützung möglich ist.“
In dem Spendenlauf sieht die Waldwelt „nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern ein starkes Signal, das Menschen motiviert, sich zu bewegen, füreinander einzustehen und gemeinsam Gutes zu bewirken“.
Gutes tun kann jede Spenderin und jeder Spender, der einen festen Betrag pro gelaufene Runde von Bernhard spenden möchte.
HIER können Sie die Spendenzusage herunterladen
VIDEO - Bernhard Möschel über seinen Unfall und den Spendenlauf






