Sprayen und Malen für ein buntes und vielfältiges Lindenberg. Darum ging es bei der Plakat-Aktion der Lebenshilfe Lindau. Der Einladung waren einige Menschen jeglichen Alters gefolgt.
Rechtsextremist und AfD-Führungsfigur Björn Höcke soll auf Einladung des AfD-Kreisverbands Westallgäu-Lindau am 15.2. in Lindenberg auftreten. Dagegen formiert sich breiter zivilgesellschaftlicher Protest.
Die Lebenshilfe Lindau hatte im Rahmen der Aktionstage im Vorfeld des geplanten Auftritts zu einer Plakat-Aktion unter dem Motto “Natürlich.Gemeinsam. für Vielfalt und Demokratie” eingeladen.
Acht Personen von Groß bis Klein hatten sich von 13 bis 15 Uhr an einem Werktag die Zeit genommen, um gemeinsam mit betreuten Menschen mit Behinderungen Bilder und Plakate in der Werkstatt zu malen oder an der Freiluftstation als Graffiti zu sprayen.
Alle verband die Motivation, den geplanten Auftritt von Björn Höcke sowie das im Grundsatz herabwürdigende Menschenbild der AfD bei der Partei-Veranstaltung am 15.2. in Lindenberg nicht unwidersprochen hinzunehmen.
Björn Höcke hatte 2023 in einem Interview von “Belastungsfaktoren” gesprochen, die man “vom Bildungssystem wegnehmen” müsse. Gemeint waren Kinder mit Behinderungen, die von Regelschulen ferngehalten werden sollen. Das Ziel der Inklusion bezeichnete der Faschist Höcke als “Ideologieprojekt”.
Maximilian Krah, ehemaliger Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, hatte die Tagesschau in Einfacher Spracheals “Nachrichten für Idioten” bezeichnet.
Für Entsetzen und Fassungslosigkeit hatten jüngst auch die Entgleisungen beim Auftakt zum Landtagswahlkampf der AfD Baden-Württemberg in Karlsruhe gesorgt. Dort hatte der Co-Vorsitzenden Emil Sänze den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder beleidigt und dabei seine Einstellung zu Menschen mit Behinderungen auf eine Weise zum Ausdruck gebracht, die sich trotz üblicher Relativierungsversuche in keiner Weise relativieren lässt:
“Ich meine, Söder ist ja nicht nur körperlich behindert, auch manchmal geistig. (...) Aber wir lassen ihn leben – er ist ja immer mal wieder witzig.”
Vor diesem Hintergrund hatte sich auch die Lebenshilfe Lindau für ihr zivilgesellschaftliches Engagement im Vorfeld der Veranstaltung in Lindenberg entschieden. “Es geht uns darum, Haltung zu zeigen, für die Werte, die wir als Lebenshilfe Lindau vertreten. Es geht um gesellschaftliche Vielfalt, um Teilhabe und Inklusion”, erklärte Simone Roth. Die Leiterin der Wohnheime der Lebenshilfe verwies dabei explizit auf UN-Behindertenrechtskonvention, zu deren Umsetzung sich Deutschland seit 2009 eigentlich verpflichtet hat, sowie die Grundsatzposition der Bundesvereinigung Lebenshilfe zum Umgang mit der AfD.
Eine Partei, die zwar als demokratisch gewählt gilt, in ihrer Programmatik und ihrem ideologischen Wesenskern aber gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland agiert. Folglich hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Partei auch auf Bundesebene als gesichert rechtsextrem eingestuft - die aktuelle Stillhaltezusage zur Prüfung vor dem Bundesverfassungsgericht ändert nichts an dieser Einschätzung.
Aufgrund der menschenverachtenden Rhetorik der AfD und ihres exkludierenden Gesellschaftsbildes mit einem ethnisch-homogenem Volksbegriff, positioniert sich die Bundesvereinigung Lebenshilfe seit Jahren klar und unmissverständlich zur AfD:
“Die Bundesvereinigung Lebenshilfe ruft ihre Mitglieder dazu auf, sich bundesweit an Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und die AfD zu beteiligen. […] Um der AfD zu zeigen, dass die Mehrheitsgesellschaft auf der Seite der Demokratie steht, bilden Sie regionale Bündnisse für Inklusion und üben Sie Solidarität mit Menschen, die von der AfD diskriminiert werden. ” - Aus dem Positionspapier der Bundesvereinigung Lebenshilfe
Ulla Schmidt, die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, erklärte bereits vor genau einem Jahr:
“Menschen mit Behinderung machen die jüngsten Ereignisse Angst. Angesichts dieser Entwicklung fühlen sie sich immer stärker von Ausgrenzung bedroht. Es ist Aufgabe der demokratischen Parteien der Mitte, die gesellschaftliche Spaltung zu verringern und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der aktuellen Zeit zu finden. Eine Zusammenarbeit mit der AfD polarisiert dagegen immer stärker, befördert die Ausgrenzung von Menschen und steht einer vielfältigen und menschlichen Gesellschaft im Weg.” -Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe
Eine emotionale Zustandsbeschreibung, die auch Wohnheimleiterin Roth bestätigt: “Man spürt das bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Es ist eine Grundverunsicherung und teilweise auch Angst da. Daher haben einige auch für sich ganz persönlich entschieden, dass sie am Sonntag auf die Gegenkundgebung gehen möchten.”
Aus diesem Grund habe man auch die inklusive Plakat-Aktion initiiert, so Roth. “Wir wollen dabei gar nicht betonen, wogegen wir sind, sondern wofür wir stehen. Und das sind Demokratie, Inklusion, Vielfalt und Menschlichkeit.”
Am Sonntag, 15. Februar um 15.30 Uhr, so viel versprechen die Ergebnisse der Plakat-Aktion, wird Lindenberg bunt und vielfältig sein.
VIDEO - Plakat-Aktion: “Natürlich.Gemeinsam. für Vielfalt und Demokratie”




