Eine persönliche Verbindung zur Lebenshilfe Lindau und der Wunsch, sich sozial zu engagieren, brachten Menschen für ein besonderes inklusives Doppelprojekt zusammen.
Stephan, Markus, zwei Andreas, Kevin, Nicole, Claudio, Daniel und Frank, Mitarbeitende der Firma Festo aus Esslingen, hatten sich für ihr “Corporate Volunteering” die Lebenshilfe Lindau in Lindenberg ausgesucht.
Was es mit diesem besonderen Aktionstag auf sich hat, erklärte Frank Münzenmayer: “Wir hatten im vergangenen Jahr unser 100stes Jubiläum. Dort gab es erstmals den ‘Corporate Volunteering’-Tag. An dem Tag kann sich jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin einen Tag bezahlt freinehmen, um sich in einem sozialen Projekt zu engagieren, das wir zuvor organisiert haben. Da meine Frau Birgit bei der Lebenshilfe Lindau arbeitet, habe ich den Kontakt zu Werkstattleiter Frank Borkert geknüpft und so kam die Sache ins Rollen.”
Gerollt wurden dann zunächst massive Holzstämme, die das Gerüst der neuen Nestschaukel auf dem Gelände der Lebenshilfe Lindau bilden. Für viele der von uns betreuten Menschen mit Unterstützungsbedarf ist die Schaukel ein sehr beliebtes Plätzchen zum Entspannen und Seele baumeln lassen.
Während ein Teil der Gruppe die Nestschaukel erneuerte, entstand parallel im Garten vor der Werkstatt ein neuer Barfußpfad.
Daniela aus dem Arbeits- und Betreuungsbereich (ABB) der Lebenshilfe Lindau hatte die Idee dazu. “Wir haben das im Team besprochen und sind ziemlich schnell zu dem Entschluss gekommen, dass das eine gute Sache für unsere Betreuten ist."
Das Ergebnis kann sich sehen und vor allem fühlen lassen. Peter Roßmanith, Leiter des ABB, freut sich über die neue Anlage: "Das ist eine super Sache und sieht auch klasse aus. Auch für unser altes Trampolin haben wir jetzt noch Verwendung gefunden."
Dieses wurde kurzerhand als federnder Übergang beider Pfadstücke eingebunden und dient somit als weiterer Baustein eines therapeutischen Konzepts. Denn ein Barfußpfad bietet weit mehr als ein Naturerlebnis. Das Barfußgehen auf unterschiedlichen Untergründen aktiviert zahlreiche Sinnesrezeptoren in der Fußsohle und fördert das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Gleichgewicht und Bewegung. Dabei werden sowohl die Fußmuskulatur als auch die sensomotorische Kontrolle trainiert.
Bei Menschen mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen kann ein Barfußpfad im Rahmen therapeutischer oder pädagogischer Maßnahmenm die Körperwahrnehmung und Bewegungsförderung unterstützen. Das Bewältigen verschiedener Untergründe kann zudem das Selbstvertrauen stärken und positive Bewegungserfahrungen ermöglichen.
Und so war es nur logisch und konsequent, dass der Tag als inklusives Gemeinschaftsprojekt gestaltet wurde. Das Team aus Festo-Mitarbeitenden brachte Muskelkraft und handwerkliches Geschick ein und wurde dabei von Mitarbeitenden der Lindenberger Werkstätte tatkräftig unterstützt. Ganz nach dem Motto der Lebenshilfe Lindau:
Natürlich. Gemeinsam.
Für sie war der Tag ebenfalls ein echtes Erlebnis, wie Stefan berichtet, der sonst in der Schreinerei der Lebenshilfe arbeitet: “Der Tag hat super viel Spaß gemacht. Auf so etwas hätte ich öfter Lust.”
Martin, der in der Werkstatt im Bereich Montage und Verpackung tätig ist, ergänzte: “Das war toll und lustig. Die Jungs von Festo waren alle gut drauf und wir hatten es wirklich spaßig.”
In der Tat entwickelte sich zwischen beiden Gruppen schon früh am Tag ein echter Team-Gedanke, sodass aus zwei Gruppen bald eine wurde. Claudio aus dem Team Festo bestätigte: “Es war eine super Zusammenarbeit mit den Menschen mit Behinderungen. Das Schöne an so einer Arbeit ist, dass man gleich spürt, dass man etwas Sinnvolles tut.”
Genau das ist der Grundgedanke des “Corporate Volunteering”, das sich bei Festo als alljährlicher Aktionstag etabliert hat.
Stephan, verantwortlich für die Logistik bei Festo, erklärte: “Bei der Auswahl eines Projekts ist der soziale Gedanke maßgeblich. Nach der Freigabe durch ein internes Prüfgremium kann man ein Projekt angehen. Wir haben im vergangenen Jahr für einen Kindergarten ein Hochbeet gebaut und den Garten neu gestaltet."
Mit einem Schmunzeln fügte er an: “Wir sind zwar alle nur Hobby-Handwerker, aber man wächst ja auch mit seinen Aufgaben.”
Und man wächst dabei als Team noch mehr zusammen, wie Frank bestätigte: “Für uns hat der Tag auch Teambuilding-Charakter. Wir haben ein super Team, alle hatten sich noch Urlaub genommen, um einen Tag früher aus Esslingen anzureisen. Dadurch konnten wir noch die schöne Landschaft genießen und zusammen eine Wanderung auf den Hirschberg machen.”
Das inklusive Gemeinschaftsprojekt zeigte eindrucksvoll, wie soziales Engagement und gelebte Inklusion voneinander profitieren können.
Lebenshilfe-Geschäftsführerin Esther Hofmann ließ es sich nach der Fertigstellung nicht nehmen, den neuen Barfußpfad selbst auszuprobieren. Anschließend bedankte sie sich bei allen Beteiligten: “Das ist eine wunderbare Aktion der Firma Festo. Solche Projekte begeistern mich immer sehr. Denn die von uns betreuten Menschen mit Unterstützungsbedarf sind stets mit viel Spaß und Motivation bei der Sache. Diese Art der Begegnung mit anderen Menschen macht für mich den Gedanken der Inklusion erst richtig erlebbar."


