Björn Höcke gilt als prägende Figur des völkisch-nationalistischen Flügels der AfD. Die Bezeichnung Höckes als "Faschist" basiert laut richterlichem Urteil aus 2019 auf einer “überprüfbaren Tatsachengrundlage”.
Nun soll Höcke am 15. Februar auf Einladung der AfD Westallgäu-Lindau im Rahmen des Wahlkampfs zu den Kommunalwahlen in Lindenberg auftreten. Dagegen hat sich ein breites und buntes zivilgesellschaftliches Bündnis formiert, zu dem auch die Lebenshilfe Lindau gehört.
Die Lebenshilfe Lindau hat als Partner des Aktionsbündnisses ihr Leitmotiv „Natürlich.Gemeinsam“ entsprechend erweitert. Unter dem Motto „Natürlich.Gemeinsam. für Vielfalt und Demokratie“ sind in der kommenden Woche zwei konkrete Projekte geplant.
Lebenshilfe Lindau plant Aktionen für Inklusion, Vielfalt und Menschlichkeit
Am Dienstag, 10. Februar, wird es von 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr in den Lindenberger Werkstätten in der Lauenbühlstraße 67 eine inklusive Plakat-Aktion geben. Zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigungen wird gemalt und Graffiti gesprayt.
Die farbenfrohe Aktion steht für den hohen gesellschaftlichen Wert von Inklusion, Vielfalt und Menschlichkeit für eine lebendige Demokratie. Jeder und jede ist herzlichst eingeladen und kann sich per Mail und dem Betreff „Natürlich.Gemeinsam“ an geschaeftsstelle@lh-lindau.de anmelden.
Einen Tag später wird die neue Bücherbox um 15 Uhr am Jugendzentrum "Alter Bahnhof" Jim e.V. in der Bismarckstraße 12 offiziell mit Vertretern des Jugendparlaments und der Lebenshilfe Lindau von Bürgermeister Eric Ballerstedt feierlich eingeweiht. Im Rahmen der Kooperation mit dem Jugendparlament hatten die Lebenshilfe Lindau und die Lindenberger Werkstätten für den hölzernen Innenausbau gesorgt.
Im Rahmen der Aktionstage werden wir von der Lebenshilfe Lindau am Mittwoch, 11. Februar, symbolisch die ersten drei Bücher an das Jugendparlament übergeben: Jeweils das Grundgesetz – in normaler Fassung, in Leichter Sprache sowie für Jugendliche verständlich aufbereitet.
Schweigen und Wegsehen für Lebenshilfen keine Option
Die Lebenshilfen stehen schließlich “für Offenheit, Vielfalt, Teilhabe und Inklusion. Sie tritt entschieden gegen jegliche Form der Ausgrenzung und Diskriminierung ein", wie die Bundesvereinigung Lebenshilfe in einem Positionspapier zum Umgang mit der AfDbetont. Die AfD stehe “für das genaue Gegenteil”.
Die Bundesvereinigung Lebenshilfe betont die Unvereinbarkeit deutlich:
“Die AfD stellt unsere Demokratie in Frage, missachtet die Menschenwürde, lehnt eine vielfältige, inklusive Gesellschaft ab und grenzt Menschen aus, die nicht in das homogene völkisch-nationalistische Weltbild der AfD passen. Fakten werden dabei von der AfD bewusst verzerrt und verfälscht. Tabubrüche und menschenverachtende Sprache sind an der Tagesordnung. Wut und Angst werden geschürt, Beleidigungen und sogar Gewalttaten in Kauf genommen. Das führt zu einer Spaltung der Gesellschaft und einer immer stärkeren Radikalisierung der AfD. ”
Die Bundesvereinigung ermutigt lokale Lebenshilfen wie die Lebenshilfe Lindau ausdrücklich, “regionale Bündnisse für Inklusion” zu bilden und “Solidarität mit Menschen, die von der AfD diskriminiert werden” auszuüben. Es gehe darum, “der AfD zu zeigen, dass die Mehrheitsgesellschaft auf der Seite der Demokratie steht”.
BaWü-Spitzenpolitiker der AfD schockiert mit Aussage
Wie wichtig eine solche klare Positionierung zum Schutz der von uns betreuten Menschen mit Beeinträchtigungen ist, zeigen auch die jüngsten unentschuldbaren Entgleisungen beim Auftakt zum Landtagswahlkampf der AfD Baden-Württemberg in Karlsruhe. Dort hatte der Co-Vorsitzenden Emil Sänze den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder auf eine Art und Weise beleidigt, die jegliche Grenzen der Kritik weit überschritten hatte. Ein Zitat, das sich trotz angeblicher Relativierungsversuche in keiner Weise relativieren lässt:
“Ich meine, Söder ist ja nicht nur körperlich behindert, auch manchmal geistig. (...) Aber wir lassen ihn leben – er ist ja immer mal wieder witzig.”
Eine erschreckende Anspielung auf die systematische Mordmaschinerie der Nationalsozialisten im Dritten Reiche, der auch rund 300.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen zum Opfer gefallen waren. Als Lebenshilfe Lindau ist es uns ein besonderes Anliegen, auch diesen Menschen zu gedenken und das Bewusstsein zu schärfen, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.
Die Nationalsozialisten bezeichneten die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen zynisch als „Euthanasie“ - griechisch für “guter Tod”. In Wahrheit handelte es sich um Mord. Menschen wurden getötet, weil sie aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung als „lebensunwert“ galten und nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten.
Ab 1939 organisierte der NS-Staat diese Verbrechen im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“.
In speziellen Anstalten wurden Menschen durch Vergasung, Medikamentenüberdosierungen oder gezielte Unterernährung getötet. Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und Behörden waren an diesen Morden beteiligt. Die Verfolgung und Ermordung von Menschen mit Behinderungen war kein Randverbrechen, sondern Teil der staatlichen Ideologie und Praxis des Nationalsozialismus.
Diese Geschichte mahnt: Auch die NS-„Euthanasie“ begann nicht sofort mit physischer Gewalt. Es begann mit Abwertung, mit Ausgrenzung und der barbarischen Einordnung in „wertvoll“ und „wertlos“. Menschenrechte sind unteilbar – sie gelten für alle Menschen, unabhängig von Behinderung, Herkunft oder Lebensweise.
Dafür stehen wir als Lebenshilfe Lindau.
EINFACHE SPRACHE:
Björn Höcke ist ein Politiker von der AfD.
Ein Gericht sagte 2019: Man darf ihn Faschist nennen.
Am 15. Februar will die AfD ihn ins Westallgäu einladen.
Dagegen gibt es Protest.
Viele Gruppen machen mit.
Auch die Lebenshilfe Lindau macht mit.
Die Lebenshilfe steht für Vielfalt und Demokratie.
Darum gibt es zwei Aktionen.
Am 10. Februar gibt es eine Plakat-Aktion in Lindenberg.
Menschen mit und ohne Beeinträchtigung malen zusammen.
Alle dürfen mitmachen.
Am 11. Februar wird eine neue Bücherbox eröffnet.
Es gibt Bücher zum Grundgesetz.
Die Bücher sind auch in Leichter Sprache.
Die Lebenshilfe Lindau steht gegen Ausgrenzung.
Sie steht für Menschenwürde und Demokratie.
Michael Wollny
Öffentlichkeitsarbeit
michael.wollny@lh-lindau.de







