Am Sonntag beginnt die Fußball-WM auch für das deutsche Team. Das Team Lebenshilfe Lindau hat sich schon mal angemessen in Schale geworfen.
Verglichen mit unseren Trikot-Tagen zur Bundesliga, war die Teilnahme beim WM-Trikot-Tag überschaubar. Nur Zufall?
Vielleicht. Andererseits bestätigt sich auch bei uns in Gesprächen die Aussage einer deutschlandweiten Forsa-Umfrage, wonach sich 71 Prozent der Befragten nicht auf die Weltmeisterschaft freuen.
Es stimmt schon, die Begeisterung für diese Fußball-Weltmeisterschaft hält sich in Grenzen. Das liegt nur bedingt am aufgeblähten Modus mit 48 Mannschaften. Der ungastliche politische Zeitgeist im Gastgeberland USA konterkariert jede Freude auf ein farbenfrohes und weltoffenes, interkulturelles Miteinander.
Was den Fußballfan zudem weiter entfremdet, ist die galoppierende Eventisierung und Hyperkommerzialisierung des Sports unter FIFA-Pate Gianni Infantino. Diese Entwicklung betrifft auch Menschen mit Behinderung in einer neuen Negativqualität.
So gab es im Vorfeld bereits scharfe Kritik von Fanorganisationen wie den Football Supporters Europe (FSE) an der Ticketpolitik der FIFA.
Menschen mit Behinderung seien demnach von massiven Preissteigerungen, geringeren Platzkapazitäten und einer erheblichen Verteuerung der Tickets für die notwendigen Begleitpersonen betroffen. Die FSE geht sogar so weit, dass sie darin einen faktischen Ausschluss vieler Menschen sieht und ein Vorgehen mit System.
Das Sportportal ran.de nennt das Beispiel des Spiels England gegen Kroatien. Hier gibt es in der günstigsten Ticket-Kategorie für 52 Euro gar keine Plätze für Menschen mit Behinderung verfügbar. Und im Gegensatz zur WM 2022 sind nun auch die Plätze für Begleitpersonen nicht mehr kostenfrei - und noch nicht einmal vergünstigt.
Ein englischer Fußballfan, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, muss demnach 228 Euro für ein Ticket bezahlen. Benötigt er eine Begleitperson, muss diese denselben Betrag bezahlen.
Der Mensch mit Behinderung muss für ein Vorrundenspiel seiner Mannschaft also 456 Euro allein für den Eintritt bezahlen. Inklusion wird somit über die Preisgestaltung die Rote Karte gezeigt.
Eine besorgniserregende Entwicklung.
Egal für welche Nation das Fußballherz auch schlägt, im Team Lebenshilfe Lindau wird die sportliche Leidenschaft bei dieser WM einfach in den Sofa-Fankurven der Wohnheime ausgelebt.
EINFACHE SPRACHE:
Am Sonntag startet die Fußball-WM.
Viele Menschen freuen sich aber nicht so sehr darauf.
Ein Grund ist die Politik im Gastgeber-Land USA.
Ein anderer Grund ist die FIFA-Ticket-Politik.
Menschen mit Behinderung müssen oft viel mehr Geld für Tickets bezahlen.
Auch Begleit-Personen müssen jetzt Tickets bezahlen.
Bei einem Spiel kostet ein Ticket für eine Person im Rollstuhl 228 Euro.
Die Begleit-Person muss auch 228 Euro bezahlen.
Das sind zusammen 456 Euro für ein Spiel.
Das ist sehr teuer und schließt viele Menschen aus.
Das Team Lebenshilfe Lindau schaut die WM-Spiele lieber gemeinsam zuhause im Wohnheim an.
Michael Wollny
Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit & Social Media
michael.wollny@lh-lindau.de



